Die Moppedwerkstatt

Die Moppedwerkstatt

Um was geht es?

Hier findet Ihr in loser Folge aktuelles, belangloses oder interessantes zur Moppedwerkstatt.

Weihnachtspost :-)

MoppedwerkstattPosted by Martin Tue, December 20, 2016 10:08:45

Junge, Junge…. Schon wieder ein Jahr vorbei. Irgendwie vergeht die Zeit im Alter schneller, kann das ein? Von all den Dingen, die ich mir so vornehme, bleibt ständig die Hälfte liegen. Zum Beispiel kommen mir dauernd irgendwelche Ideen für den Blog hier, aber bis ich dazu komme sie aufzuschreiben habe ich den Faden verloren. Gut, auch das kann am Alter liegen :-)

Das vergangene Jahr war ziemlich ereignisreich, was die Werkstatt angeht. An manchen Tagen wächst mir das alles hier fast über den Kopf. Als ich damals mit der Moppedwerkstatt angefangen habe, da wusste ich so in etwa auf was ich mich einlasse. Werkstatterfahrung hatte ich ja ausreichend. Ich kann mich erinnern, wie ich ungläubig den Kopf geschüttelt habe als ich in der Lehre von meinem Chef was wollte und die Chefin meinte: „Leg' ihm einen Zettel hin, sonst vergisst er das.“ Und der war nicht senil… Damals dachte ich noch, das sich der Chef was von Mittags bis Abends merken können müsste. Heute weiß ich, ohne Aufschreiben (und zwar SOFORT aufschreiben!) geht nix. Bei mir ist das nämlich noch „schlimmer“: mein Chef hatte Personal. Seine Frau für's Telefon und sich von Kunden das Ohr abschwatzen lassen (nicht alle kommen gleich zum Punkt, vorsichtig formuliert). Ein oder zwei Azubis bzw Umschüler für die Werkstatt. Und mich (obwohl auch die meiste Zeit Azubi) für eigentlich alles, bis hin zur Vertretung an Samstagen, wenn er zum Gespannrennen war. Ich hatte also die Illusion eine Werkstatt zu leiten sei ja nicht soooo schwer.

Um das mal nachzuvollziehen, für alle die so etwas nicht kennen: als ein-Mann-Kapelle machst du ja wirklich alles selber. Angefangen vom Tür aufschließen und Licht einschalten über jedes Telefonat, Post, Rechnungen, Bestellungen, Werkstatt komplett von Fahrzeug rein über den-Besen-in-die-Hand-nehmen bis Mülleimer raus bringen, Glühbirne auswechseln, Kaffeetassen spülen, Klo putzen…. Und so weiter. Jetzt stell Dir vor, Du machst bei Dir im Büro oder in der Werkstatt wirklich JEDEN Handgriff der anfällt selber. Und das jeden Tag, und in der Saison mindestens 12 Stunden lang. Dann weißt Du so in etwa was hier (und bei vielen anderen) abgeht.

Wohlgemerkt: das ist kein Gejammer, habe ich mir ja so ausgesucht. Aber vielleicht mal als Erklärung, warum nicht immer alles „mal eben“ und fröhlich geht.

Zurück zur Werkstatt: der Aufwand hier wird immer größer. Die Zahl der Kunden wächst ständig, was mich im Glauben bestätigt das ich soviel ja nicht falsch machen kann. Aber auch der Aufwand drum herum wächst kontinuierlich. Mit der Zahl der Aufträge wird auch der Aufwand für Buchhaltung etc größer, die technischen Ansprüche bleiben auch nicht stehen. In 2016 habe ich mal wieder knapp 3.000 Euro für Test-Equipement und so weiter investieren müssen, um auf der Höhe der Zeit zu bleiben. 2017 geht gleich so weiter: damit ich meinen Status als anerkannter Prüfstützpunkt (TÜV und so…) behalten kann, brauche ich erst mal ein neues Scheinwerfereinstellgerät. Kriegt man auch nicht nachgeworfen.

Das war einer der Punkte, die mir vorher nicht klar waren: das man dermaßen viel Geld in die Hand nehmen muss, um Geld verdienen zu können. Oder wie meine Frau immer sagt: „Ich hätte nicht gedacht, das man soviel Aufwand betreiben muss für das bisschen Geld, das einem sonst der Chef überweist.“ :-)

Aber auch in diesem Jahr hatte ich wieder viel Spaß in der Moppedwerkstatt. Ich rede ja gerne mit meinen Kunden, und ich staune immer wieder wie viele interessante Menschen da draußen so rum laufen. Einige kommen inzwischen auch nur mal so vorbei, auf ein Schwätzchen. Erzählen mir von ihren Geldanlagen, Freundinnen, Krankheiten… oder von anderen Kunden, nicht immer lustig. „Hast Du gehört, der XY ist gestorben“. Hatte ich dieses Jahr auch hin und wieder :-(

Ich habe nicht immer Zeit, mir die Geschichten anzuhören. Aber ich sehe das durchaus auch als Vertrauensbeweis, das mir im Grunde doch Fremde so viel von sich erzählen.

Es gibt natürlich auch andere. Da wirst du dann plötzlich damit konfrontiert, das jemand mehrere zehntausend Euro von dir verlangt, weil vor deiner Werkstatt angeblich sein Motorrad verschwunden ist. Und serviert das Ganze mit einer dermaßen abstrusen Geschichte, das von der Polizei bis zum Richter niemand so recht folgen kann. Den Ärger hast du trotzdem, abgesehen davon das ein Tag in der Werkstatt fehlt, wenn man vor Gericht zu erscheinen hat.

Insgesamt überwiegen hier aber deutlich die positiven Momente, auch wenn ich manchmal natürlich gerne mehr Zeit für andere Dinge hätte. Immerhin haben wir es dieses Jahr geschafft eine kleine vier-Tages-Tour durch die Schweiz mit den Moppeds zu fahren.

Das ist einer der Vorsätze für das kommende Jahr: ein wenig mehr Zeit für privates. Zum Beispiel Mopped fahren. Entspannung ist ja nichts Dummes, und seit Ayla (unser treuer Werkstatt-Wachhund) nicht mehr ist fallen auch die meditativen Spaziergänge aus. Ohne Hund rafft man sich doch nicht auf. Aber auch da könnte im nächsten Jahr was passieren, das Thema ist noch nicht durch :-)

Jetzt mache ich erst mal Urlaub. Mit meiner Frau dahin wo es schön warm ist, meine Kinder begleiten uns. Die Moppedwerkstatt bleibt bis Februar geschlossen, was natürlich nicht heißt, das ich nicht hier bin. Es gibt ja genug zu tun… Lager einrichten, zum Beispiel. Oder einfach mal aufräumen...
Meinen XV 535 Cafe Racer Umbau habe ich innerlich schon wieder auf nächsten Winter verschoben.

Aber wer weiß, vielleicht finde ich für 2017 ja endlich eine qualifizierte, engagierte Aushilfe. Dann könnte so was noch nebenbei klappen :-)

Ich wünsche Euch allen ein ruhiges Weihnachtsfest, einen guten Rutsch ins neue Jahr und: bleibt gesund!