Die Moppedwerkstatt

Die Moppedwerkstatt

Um was geht es?

Hier findet Ihr in loser Folge aktuelles, belangloses oder interessantes zur Moppedwerkstatt.

Neues

MoppedwerkstattPosted by Martin Mon, January 23, 2017 12:05:53

Ich hoffe, Ihr seid gut alle ins neue Jahr gekommen. Mein Jahreswechsel zumindest war entspannt, warm und sehr weit entfernt vom kalten Deutschland. Dummerweise hat mich am ersten Tag den ich in 2017 arbeitend in der Werkstatt verbracht habe irgend so ein Virus erwischt und flach gelegt. Meine Frau sagt, ich hätte von Dienstag Abend bis Freitag Nachmittag abwechselnd auf der Couch und im Bett gelegen und in der ganzen Zeit nicht gesprochen (!!)... muss also was Ernstes gewesen sein :-)

Jetzt fängt das neue Jahr also gleich mal mit Gas geben an, die Woche Büro fehlt ja doch irgendwie. Aber so ist das eben.

Eigentlich hatte ich für diesen Blogeintrag ja ein völlig anderes Thema vorgesehen, so unter dem Eindruck einer doch ziemlich anderen Welt in Namibia. Aber spontan wie ich bin geht es heute um etwas völlig anderes :-)

Manche von Euch kennen ja noch Ayla, den treuen Wachhund der Moppedwerkstatt. Es ist kommende Woche ein Jahr her, das wir sie ziemlich überraschend im Alter von fast auf den Tag genau 11 Jahren (kein Alter für einen Mittelspitz) haben einschläfern lassen müssen, weil die Lunge komplett voll war mit Metastasen. Das alles war eine Entwicklung von wenigen Wochen.

Wer noch nie ein Haustier hatte das mit einem kommuniziert und einen jahrelang begleitet, der wird nicht nachvollziehen können was da in uns vorging. Alle anderen wissen genau, wie das ist. Ganz ehrlich, mir stehen jetzt beim Schreiben schon wieder die Tränen in den Augen…

Jetzt ist so ein Hund ja nicht nur Spaß, manches ist sogar ohne Tier angeblich einfacher. Ich konnte mich da nicht mehr so recht dran erinnern, ich hatte ja die letzten fast dreißig Jahre immer einen Vierbeiner an meiner Seite. Wir haben also damals beschlossen, mindestens ein Jahr lang zu testen wie das Leben ohne Hund denn so wäre…

Überraschende Erkenntis: die Erwartung das unser Leben sich entschleunigt, weil da nicht dauernd noch jemand ist der in alles einbezogen werden muss, hat sich absolut nicht erfüllt. Das genaue Gegenteil ist der Fall. Wenn man darüber nachdenkt (und wir haben viel über das Thema nachgedacht im letzten Jahr) eigentlich auch logisch. All' die kleinen Auszeiten vom Alltag, die man mit Hund einbauen MUSS, fallen ja weg. Statt mal eben eine halbe oder ganze Stunde über das Feld zu laufen und nix zu denken (oder zumindest nicht an Werkstatt, Rechnungen, ich-muss-noch-jenes, usw) kommt man eben nicht zur Ruhe, sondern macht tausend Dinge hintereinander ohne mal Luft zu holen. Völlig abgesehen von den Stressmomenten, in denen so ein Tier einen einfach nur ansieht und sich ganz offensichtlich denkt „Boah, komm mal wieder runter, Mensch!“ oder einen anstupst und sagt „Kraul mich mal 'ne Runde...“

Vorteil ohne Hund ist auf der anderen Seite ganz eindeutig… ääääh…. warte mal… ach ja: man kann einfach mal weg fliegen ohne das man den Hund unterbringen muss. Ich bin jetzt knapp über 50, und in meinem ganzen Leben dreimal in Urlaub geflogen. Weiß nicht, ob das mit dem Fliegen jetzt so ein Killerargument gegen Hundehaltung ist :-)

Völlig davon abgesehen das sich meine Schwiegereltern ja nun auch nicht mit Händen und Füßen dagegen wehren uns zu helfen, wenn Not am Mann ist…

Irgendwann war dann ziemlich klar, das wir beide wieder einen Hund wollen. Konsens war, das Jahr abzuwarten und dann mal zu sehen was so ist.

Es gab ein paar Eckpunkte, die erfüllt werden sollten:

möglichst kein Jagttrieb, möglichst kein Wachtrieb (Ayla war in dem Punkt anstrengend, freundlich formuliert), +/- 45 Zentimeter groß, kein Kurzhaar. Ich persönlich bin ja ein großer Freund vom deutschen Spitz in allen Varietäten (da weiß man, was man hat. Spitze sind in der Regel das komplette Gegenteil vom Klischee, Ayla mal ausgenommen), aber letztendlich war mir die Rasse egal. Ach ja, es sollte unbedingt eine Hündin sein, nichts vom Züchter, zwischen einem und drei Jahren alt und kein „Importhund“ aus einer Tötungsstation im Ostblock oder so. Da kann man ja zu stehen wie man will, aber es gibt schließlich genug bedürftige Hunde aus dem näheren Umkreis.

Um eine lange Geschichte kurz zu machen: rausgekommen ist Sloboda… Freunde dürfen ihn Slobo nennen :-)

Von allen Kriterien sind immerhin zwei erfüllt: kein Kurzhaar und +/- 45 Zentimeter. Also, Höhe… Länge gefühlt einen Meter. Ansonsten halt Rüde, sieben Monate alt, sehr verschüchtert (gibt sich aber gerade seeehr schnell…), Import aus Bulgarien und eine Menge Retriever oder so mit drin. Das mit dem Jagttrieb erwarten wir mit Spannung.

Sloboda hieß ursprünglich Simon, aber irgendwie ging der Name gar nicht. Und NACHDEM wir uns verliebt hatten, trotz Rüde etc, haben wir erfahren das er aus Serbien kommt. Fehlinformation… wir haben uns nur angesehen (also, meine Frau und ich) und das selbe gedacht: „Ups, wollten wir ja gar nicht, aber jetzt ist es zu spät“. Dann wollten wir einen serbischen Namen und waren zunächst bei Smelost, das heißt Wagemut. Ein wenig prophetisch sollte der Name sein, bei dem schüchternen Hund :-)

Aber das lässt sich nicht gut rufen… und ehrlich gesagt, die Abkürzung die sich aufdrängt lautet "Smelly", so möchte man nicht heißen ;-)

Sloboda heißt auf serbisch „Freiheit“, fanden wir auch nicht schlecht. Nun gut, bei der Übergabe haben wir dann gesehen, das Slobo eigentlich aus Bulgarien kommt und deshalb Svoboda heißen müsste, aber irgendwann ist ja auch mal gut.

Jedenfalls lebt er jetzt bei uns und lernt. Zum Beispiel, das Bett und Couch für Lebewesen mit mehr als zwei Beinen tabu sind. Das Treppen durchaus in beide Richtungen zu begehen sind. Das man durch die Haustüre ruhig entspannt rein gehen kann, weil alle da gemeinsam leben und einen nicht wieder im Tierheim zurück lassen. Das Thema „Laufen ohne Leine“ gehen wir demnächst mal an, wenn er verinnerlicht hat das wir jetzt sein Rudel sind :-)

Wer wissen will, wo Simon/Sloboda her kommt: http://main.menschenfuertiere.de/index.php

Ich weiß ja nicht, wie andere Tierheime bzw Vereine so sind, aber so, wie ich die Menschen da kennengelernt habe und gesehen was die da für ein Engagement reinstecken: Respekt! Von mir eine klare Empfehlung.

Ich bin sehr gespannt auf das gemeinsame Leben. Bei einer ungefähren Lebenserwartung von zwölf, dreizehn Jahren wird Slobo wohl auch (zumindest) mein letzter Hund sein. Vielleicht… :-)

Ach ja: das ist er...