Die Moppedwerkstatt

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Um was geht es?

Hier findet Ihr in loser Folge aktuelles, belangloses oder interessantes zur Moppedwerkstatt.

Schuster, bleib bei deinen Leisten

MoppedwerkstattPosted by Martin Sun, March 26, 2017 17:14:40

Neulich habe ich zum ersten Mal in meinem Leben bei der Reparatur eines Motorrades aufgegeben. Eigentlich ging es da um nichts Großes, Gabelsimmerringe bei der Upside-Down Gabel einer Ducati. Der Kunde hat gefragt "Kannst Du das? ", ich habe geantwortet "Kein Problem" und mich der Sache angenommen. Auf der Werkbank habe ich dann gesehen, das die Gabel irgendwie anders ist, als die 150 Stück (circa....) die ich bisher in der Mangel hatte. Mir haben in dem Moment schlicht das passende Werkzeug und die Qualifikation gefehlt. Das habe ich dem Kunden dann auch genau so erklärt, und innerhalb von Sekunden wurde aus leichter Verärgerung bei ihm Verständnis, und ich glaube er war ganz froh über die offenen Worte. Ich wollte einfach nicht bei einem Fahrzeug, das fast 300 Km/h läuft, am Fahrwerk irgendwas machen das ich nicht sicher im Griff habe.

Andere sind da deutlich schmerzfreier, wie ich diese Woche mal wieder festgestellt habe. Ich kenne da eine Autowerkstatt (also, eigentlich ist das glaube ich nicht mal offiziell eine Autowerkstatt), die gerne mit dem Aufruf wirbt das man ihren Motorradservice nutzen soll.

Nun bin ich durchaus der Meinung, das man für bestimmte Arbeiten auch bestimmte Qualifikationen mitbringen sollte: die Hauselektrik überlässt man ja nicht ohne Grund nicht dem Bäcker, zum Beispiel.

Immerhin fällt denen das scheinbar auch manchmal auf, weil sie mir nämlich regelmäßig Fahrzeuge vor die Tür stellen wollen, bei denen sie nicht weiter kommen. Ich soll dann sozusagen deren Motorradservice sein. Und das sind jetzt nicht immer Problemfälle, sondern gerne einfach mal Sachen, bei denen ein klein wenig mehr gefragt ist als Diagnosetool lesen können.

Jetzt kamen da drei Dinge auf einmal: eine Yamaha, bei der ein Problem schon mal gleich gelöst war in dem man den Benzinhahn auf Reserve stellt. Der Rest war dann allerdings in der Tat komplizierter: Vergaser raus, zerlegen, ultraschallreinigen und einstellen. Das am Ende noch Ersatzteile gefehlt haben, ich das Mopped aber trotzdem zurückgeben sollte obwohl es nicht richtig lief und es so an den Kunden geht: geschenkt...

Aber am selben Tag noch ein Roller, bei dem der passende Antriebsriemen nicht montiert werden konnte, und eine telefonische Anfrage wie man eine Upside-Down Gabel zerlegt (deswegen komme ich überhaupt auf das Thema).

Das sind drei Dinge innerhalb ein paar Stunden, die mich echt ratlos zurücklassen: warum nimmt man als Werkstatt Aufträge an, wenn man von der Materie keine Ahnung hat? Leute, da können Menschen sterben. Eine Motorradreparatur ist nicht immer Pille-Palle. Lieber ein paar Euro weniger in der Kasse, aber dafür ein ruhiges Gewissen.

Und warum bringt man als Kunde sein Motorrad nicht gleich zu einer Fachwerkstatt?? Muss ja nicht die Moppedwerkstatt sein.

Klar, es gibt gibt überall so'ne und solche, aber ganz grob lässt sich sagen: wer sein Motorrad zur Reparatur in eine Motorrad(fach)werkstatt bringt, KANN Pech haben und hin und wieder jemanden erwischen, der keine Ahnung von der Sache hat.

Wer sein Motorrad zur Reparatur in eine Autowerkstatt bringt, KANN hin und wieder Glück haben und jemanden erwischen, der weiß was er tut.

Ihr seht den Unterschied...

Ich werde jedenfalls auch weiterhin kein Quads reparieren. Oder das ganze Kreidler/Zündapp/Hercules Zeug aus den 70ern. Oder Piaggio Ape. Einfach, weil ich da erstens keine Ahnung von habe, und zweitens auch gar nicht die Zeit (und ehrlich: auch nicht die Lust) mir die Ahnung ¨drauf zu schaffen¨.

Wenn alle immer nur das tun bzw dem Kunden verkaufen würden, was sie beherrschen, dann hätten die KFZ- und Motorradwerkstätten einen deutlich besseren Ruf....