Die Moppedwerkstatt

Die Moppedwerkstatt

Um was geht es?

Hier findet Ihr in loser Folge aktuelles, belangloses oder interessantes zur Moppedwerkstatt.

Sichtweisen

MoppedwerkstattPosted by Martin Mon, May 08, 2017 18:38:43

Neulich habe ich in einem Facebook-Post darauf hingewiesen, das ich mit Arbeit zugeschüttet werde, nicht mehr hinterher komme und deshalb bis mindestens Christi Himmelfahrt einen Terminstopp habe. Das ich also erst danach überhaupt wieder anfange Termine zu vergeben, weil ich dann (hoffentlich) absehen kann wie ich es zeitlich hin bekomme.

Darauf gab es verschiedene Reaktionen: mehr oder weniger konstruktive Hinweise darauf, das ich Hilfe brauche (wusste ich irgendwie schon…) und wie ich das anstellen könnte.

Und auch einen Hinweis, auf den ich hier eingehen möchte. Da schrieb nämlich Stephan Madener: „Luxusproblem! Dennoch kann dauerhaftes Kundenabweisen irgendwann problematisch werden.“

Jetzt ist Stephan Maderner nicht irgendwer, sondern der Chefredakteur der Zeitschrift „Bike und Business“. Abgesehen davon das es mich ehrt zu wissen, dass er sich die Zeit nimmt auf der Facebookseite einer Ein-Mann-Kapelle wie der Moppedwerkstatt mit zu lesen und sogar zu kommentieren: hier offenbaren sich völlig verschiedene Sichtweisen auf das Verhältnis zum Thema „Mit/am Motorrad seinen Lebensunterhalt bestreiten“.

Ich habe die Bike und Business abonniert, finde mich aber eigentlich nie in irgendeinem Artikel oder einer Sichtweise wieder. Das fängt schon damit an, das Händler durch die Bank nicht „Händler“ genannt werden, sondern „Dealer“. Ich habe grundsätzlich kein Problem mit Anglizismen, aber Dealer finde ich (vorsichtig gesagt) unglücklich, weil negativ konnotiert.

Der Schwerpunkt auf Business zieht sich durch das ganze Heft. Nicht meine Welt. Aber - Gott sei Dank – jeder so wie er mag. Die Zeitschrift funktioniert, also machen die Damen und Herren da wohl nicht viel falsch.

Abgesehen davon: hätten alle Menschen die gleiche Sichtweise und den gleichen Geschmack würden (ganz profan jetzt mal) entweder alle Frauen auf mich stehen, oder keine. Beides wäre sicher nicht lustig :-)

Natürlich bin ich nicht die Caritas, will und muss von dem leben was ich in der Werkstatt tue und weiß daher, das die betriebswirtschaftliche Seite eines jeden Unternehmens immens wichtig ist.
Trotzdem: die rein betriebswirtschaftliche Betrachtung der Aussage „Ich vergebe im Moment keine Termine“ greift deutlich zu kurz. Erstens weise ich die Kunden ja nicht ab. Ich sage lediglich, das ich *im Moment* keine Termine vergebe. Zweitens tue ich das nicht, damit ich Zeit gewinne in der Hängematte zu liegen und Longdrinks zu schlürfen, sondern weil ich einfach die Arbeit nicht bewältigen kann. Kunden sammeln um jeden Preis geht nämlich todsicher nach hinten los: ich kann die berechtigten Ansprüche der Kunden irgendwann nicht mehr erfüllen, und ich kann meine eigenen Ansprüche an meine Arbeit und daran, wie ich die Moppedwerkstatt führe, ebensowenig erfüllen. Am Ende sind alle Seiten unzufrieden: lose-lose, wie heute so schön heißt. Bei den ganzen tollen Tipps zur erfolgreichen Betriebsführung, mit denen man so bombardiert wird sobald man ein Gewerbe betreibt, fällt mir oft auf das eines total vergessen wird: das A und O für einen Erfolg sind zufriedene Kunden. Alles andere resultiert daraus: der Laden läuft, die Kasse stimmt, man ist mit sich zufrieden, es macht Spaß, die Kunden merken das da jemand mit Begeisterung und Herzblut bei der Sache ist und sind zufrieden. Ein Kreislauf.

Und ganz ehrlich: ich betrachte es auch als Auszeichnung, das die Kunden mir die Bude einrennen, obwohl natürlich auch bei mir nicht immer alles klappt.

Von daher sehe ich einen Terminstopp eher postitiv, nicht zuletzt auch als Instrument zur Qualitätssicherung.

Oder sehe ich das falsch? Lasst mir gerne einen Kommentar da :-)